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Gesundheit und Kommunikation (GeKom) Gottfried Neuhaus


Der Mensch im Mittelpunkt

Von der Pathogenese zur Salutogenese

Die Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft in diesem Jahrhundert hat begonnen und sie beschleunigt sich. Besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Informationsbeschaffung werden gebraucht. Ausgeprägte Qualifikationen menschlicher Art, Persönlichkeitsentwicklung im weitesten Sinne, sind vonnöten, um den Wissenstransfer in die Praxis zu gewährleisten.

Reformen zu Inhalten und Strukturen im Gesundheitswesen müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass die Gesellschaft der Zukunft veränderte Qualifikationen benötigt. Fach-, Methoden-, Sozialkompetenz und personale Kompetenz sind Qualitätsmerkmale für die Zukunft.

Nach Schätzungen des US-amerikanischen Centers for Disease Control ist der Einfluss der sozialen Umwelt und der Lebensweisen auf die Sterblichkeit etwa doppelt so groß wie die Einflüsse der ökologischen Umwelt und der biologischen Prädisposition. Diese ist wiederum doppelt so groß wie der Einfluss des Gesundheitswesens. Die große Produktivitätsreserve zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung wird deshalb darin gesehen, gesundheitspolitische Schwerpunkte auf Prävention und Gesundheitsförderung zu setzen.

Die Forschungsergebnisse insbesondere zur Salutogenese, die veränderte Bevölkerungsstruktur, die zunehmende Mobilität der Gesellschaft, ein verändertes Krankheitsspektrum, zunehmende soziale Unterschiede, Orientierungslosigkeit und Zukunftsängste, all dies sind Herausforderungen, mit denen sich die Gesundheitspolitik intensiv befassen muss.
In den letzten Jahren hat sich im Bereich wissenschaftlicher Arbeit zu Krankheit und Gesundheit ein Paradigmenwechsel vom biomedizinischen zum bio-psycho-sozialen Modell vollzogen. Dieses Umdenken hat zur Entwicklung des Lebensweisenkonzeptes und einem veränderten Gesundheitsverständnis geführt. Gesundheitsförderung wird neu gesehen und stärker gewichtet. Die nationalen und internationalen Empfehlungen dazu haben im Kern gemeinsam:

dass Gesundheit ganzheitlich, also mit ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Komponente gesehen wird;
dass die einzelnen Elemente von Prävention und Protektion in einer starken Interdependenz zueinander stehen und daher nicht einzeln die gewünschte Wirksamkeit entfalten können;
dass Gesundheitsförderung in das gesamte soziale, ökologische und infrastrukturelle Umweltgeschehen eingebettet sein muss;
dass effektive Gesundheitsförderung Selbstbestimmung, Emanzipation und Persönlichkeitsentfaltung des Individuums voraussetzt bzw. fördern muss.

Das Konzept der Salutogenese (von lat.: salus = gesund, griech.: Genese = Entstehung) beschreibt Kräfte, die dem Menschen helfen, Gesundheit zu entwickeln und zu erhalten. Antonovsky hat in seinem Modell der Salutogenese auf der Basis zahlreicher Studien die Ergebnisse zusammengefasst. Danach bleiben Individuen und Gruppen auch unter hohen Belastungen eher gesund:

wenn die Anforderungen und Zumutungen, mit denen diese konfrontiert werden, einigermaßen vorhersehbar und einordnungsfähig sind (comprehensibility = Vorhersehbarkeit);
wenn Möglichkeiten der Reaktion und des Eingreifens, wenn Chancen der Einflussnahme auf Entwicklungen und Ereignisse gegeben sind (manageability = Machbarkeit);
wenn die Möglichkeit besteht, unter diesen Bedingungen individuelle oder kollektive Ziele anzustreben und auch zu erreichen (meaningfulness = Sinnhaftigkeit).

Die Vorhersehbarkeit, die Machbarkeit und die Sinnhaftigkeit bilden zusammen den „sense of coherence“, zu deutsch das Gefühl, sich in einer verstehbaren und beeinflussbaren und sinnstiftenden Welt zu bewegen. Je größer dieses Kohärenzerleben ist, um so größer ist in der Regel die Fähigkeit, gesundheitliche Belastungen auszuhalten und nicht krank zu werden.

Die Analyse der Anwendungsfelder der Salutogenese zeigt, dass sie in der Gesundheitsförderung, Psychosomatik, Psychotherapie sowie in der Rehabilitation Anwendung findet. In der innerbetrieblichen Gesundheitsförderung und der außerbetrieblichen Interaktionsgestaltung bei Handel, Banken, Versicherungen, Verwaltungen, Industrie und in letzter Zeit auch vermehrt Bildungseinrichtungen werden die Forschungsergebnisse mehr und mehr umgesetzt.

Die Zusammenführung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zur Salutogenese wurde dadurch möglich, dass aus über 30 Wissenschaftsdisziplinen Fachleute Forschungsergebnissen benannt haben. Die folgenden sollen so weit wie möglich im Gesundheits- und Krankheitswesen, in Betrieben und im Bildungsbereich berücksichtigt werden.





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